27. Juni 2019
Mobilität Ötztal

Das Ötztal arbeitet an zukunftsfähigen Mobilitätslösungen

Die fünf Talgemeinden, Ötztal Tourismus und die Bergbahnen des Tals erarbeiten derzeit gemeinsam eine Mobilitätsstrategie, um die Verkehrsbelastung im Ötztal zu reduzieren. Die Bevölkerung wird durch einen Bürger-Beteiligungsprozess in die Entwicklung konkreter Maßnahmen eingebunden. Das Ziel ist ein nachhaltiges Mobilitätskonzept sowie eine deutliche Reduktion von Fahrten sowie Abgas- und Lärmemissionen.

Ein erster Schritt der Mobilitätsstrategie „Ötztal 2030“ – so der offizielle Titel des Projektes – war die Analyse der Verkehrsströme im Tal. Andreas Knapp, Mobilitätsbeauftragter für das Ötztal, hat diese Ergebnisse nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Auf Einladung von Bürgermeister Hansjörg Falkner, seines Zeichens Obmann im Gemeinde-Planungsverband Ötztal, erörterte er im Gemeinderat von Oetz die Ergebnisse einer umfassenden Verkehrserhebung. Die Planungsbüros Planoptimo sowie Rosinak & Partner führten diese am Donnerstag, 7. März, sowie am Mittwoch, 13. März 2019, durch – also an zwei Winter-Werktagen. Die Erhebung mittels Kennzeichenerfassung und Lenker-Befragung wurde bewusst an Werktagen angesetzt. „Allen im Ötztal ist klar, dass unsere touristische Positionierung mit einem hohen Verkehrsaufkommen an Samstagen einhergeht. Das ist der stärkste An- und Abreisetag für Gäste. Dies zu analysieren würde keine fundamental neuen Erkenntnisse mit sich bringen. Es handelt sich samstags großteils um Lenker aus dem Ausland. Wir wollten vor allem wissen, welche Verkehrsströme darüber hinaus an normalen Werktagen stattfinden“, erklärt Bürgermeister Hansjörg Falkner.

20 Zählkameras erfassen 52.450 Fahrten – pro Werktag

Zu diesem Zweck wurden an 20 verschiedenen Zählstellen im gesamten Ötztal Kameras positioniert. Repräsentative Lenkerbefragungen gab es zudem am Infopoint in Ambach sowie beim Salz-Silo in Brunau. Innerhalb von 24 Stunden wurden 52.450 Fahrten erfasst. 58% der erfassten Kennzeichen waren IM-Kennzeichen, also im Bezirk Imst angemeldet. Weitere 13% stammten aus dem restlichen Tirol, nochmals 4% aus Österreich. Somit stammten 71% der an den beiden „normalen“ Wochentage erfassten Kraftfahrzeuge aus Tirol. Die Befragungen von insgesamt fast 1.000 Fahrzeuglenkern ergab, dass gerade im vorderen Ötztal in hohem Maß Pendlerverkehr das Aufkommen beeinflusst. Zwischen Umhausen, Oetz und Sautens werden rund zwei Drittel der Fahrzeuge von Einheimischen talauswärts gelenkt. Und zwar eindeutig in Richtung Ötztal-Bahnhof, Ötztaler-Höhe oder Imst Stadt und den restlichen Bezirk Imst – meist motiviert durch Gründe wie Arbeit oder private Erledigungen. Beinahe ein Drittel aller gezählten Fahrten haben ihren Ziel- oder Ausgangsort in Oetz selbst. Im hinteren Ötztal zeigt sich wiederum ein sehr starkes Aufkommen an Binnenverkehr. Sprich: an Fahrten, die innerhalb eines Gemeindegebietes stattfinden. So ergab die Auswertung für Längenfeld 6.349 Fahrten allein innerhalb des Gemeindegebietes. Für die Gemeinde Sölden (inklusive Gurgl) beläuft sich diese Zahl auf 8.638 Fahrten.

Langfristiges Ziel: 30% weniger Fahrten

Fazit für das gesamte Ötztal – knapp 50% des Verkehrsaufkommens an Werktagen ist von Einheimischen verursacht und kleinräumig motiviert, also mit einer bis zirka 35 km langen Fahrtstrecke. „Das Verkehrsaufkommen im Ötztal und die damit verbundenen Nebenwirkungen werden nur durch gemeinsame Anstrengungen in den Griff bekommen zu sein. Denn es zeigt sich mit Ausnahme der Samstage, dass Gäste und Einheimische in hohem Ausmaß dafür verantwortlich zeichnen“, betont Mobilitäts-Beauftragter Andreas Knapp. Die Mobilitätsstrategie Ötztal 2030 soll deshalb kurz-, mittel- und langfristige Ziele verfolgen, die sowohl für den touristisch motivierten, aber auch für den Pendelverkehr der Einheimischen alternative Angebote zur Fortbewegung eröffnet. Erste konkrete Ideen und Visionen in diese Richtung werden bereits angedacht. Darunter der Aufbau einer entsprechenden Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge, der Aufbau- eines E-Bike und E-Carsharing-Angebotes aber auch verstärkte Anstrengungen, um Gäste für eine autofreie Anreise zu gewinnen. „Langfristig wollen wir 30% weniger Fahrten und eine entsprechende Reduktion des CO₂-Ausstoßes gegenüber heute. Dafür braucht es alternative Verbindungen, Mobilitätskonzepte abseits der Straße und eine Optimierung des öffentlichen Verkehrsangebotes. Aber auch das Bekenntnis regionale Energie für regionale Mobilität zu nutzen“, kündigt Planungsverbands-Obmann Hansjörg Falkner an.

Maßnahmen mit Bürgerinnen und Bürgern entwickeln

Konkrete Maßnahmen, die zum Erreichen der langfristigen Ziele führen, sollen in einem ergebnisoffenen Beteiligungsprozess entwickelt werden. Der Auftakt zu diesen Veranstaltungen mit Bürgerbeteiligung findet auf Gemeindeebene im Herbst statt. „In dieser geplanten Dimension bildet dieser Ansatz in Tirol einen einzigartigen Prozess. Das Ötztal wird seinem Ruf als innovationsstarke Talgemeinschaft gerecht“, weiß Verkehrsplanungs-Experte Andreas Knapp. Eingebunden werden sollen in einem separaten Termin auch die Unternehmen des Tals. Geplant ist zudem ein dezidierter Termin für die Jugend des Ötztals. „Vor allem unsere jungen Menschen sind es, die mit den Konsequenzen unserer heutigen Entscheidungen leben müssen. Deshalb ist es ganz entscheidend ihnen unsere Aufmerksamkeit zu schenken und mit ihnen an Lösungsideen zu arbeiten. Ich bin überzeugt, dass gerade von der Jugend die frischesten und unvoreingenommensten Ansätze zu erwarten sind“, betont der Oetzer Bürgermeister Hansjörg Falkner.

FÜR RÜCKFRAGEN

Ing. Hansjörg Falkner
Bürgermeister Gemeinde Oetz
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A-6433 Oetz
T +43 664 32 20 271
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Andreas Knapp, Mobilitätskoordinator für das Ötztal, erörterte im Gemeinderat von Oetz die Ergebnisse einer umfassenden Verkehrserhebung im Tal.

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